Weniger Chaos zuhause

Spielsachen überall? Wie wir unser Zuhause etwas ruhiger gemacht haben

Manchmal hatte ich das Gefühl, dass bei uns ständig irgendetwas herumlag. Im Wohnzimmer lagen Bausteine neben Kuscheltieren, auf dem Tisch standen Bastel- und Malsachen und irgendwo dazwischen wurde das nächste Spiel angefangen oder ich habe versucht den Tisch zu decken für das Abendessen. 

Die Kinder haben mit den ganzen Spielsachen aber immer nur kurz gespielt, dabei hatten unsere Kinder eigentlich genug Spielsachen. Eher zu viele. Aber genau das wurde irgendwann zum Problem. Viele Dinge wurden nur kurz angeschaut, schnell wieder liegen gelassen und sofort durch etwas Neues ersetzt. Das Wohnzimmer fühlte sich dadurch oft unruhig an, selbst direkt nach dem Aufräumen.

Und ehrlich gesagt hat uns das irgendwann selbst gestresst. Nicht nur wegen der Unordnung, sondern weil ständig so viele Reize gleichzeitig da waren. Überall etwas sehen, überall etwas wegräumen, überall kleine angefangene Spiele.

Irgendwann hatten wir deshalb das Gefühl, dass uns die vielen Spielsachen im Alltag eher stressen als helfen. Nicht, weil Kinder kein Spielzeug brauchen. Sondern weil einfach zu viel gleichzeitig sichtbar war.

 

Warum Kinder mit weniger Spielsachen oft ruhiger spielen

Uns ist irgendwann aufgefallen, dass unsere Kinder oft viel länger und konzentrierter gespielt haben, wenn nicht zu viele Dinge gleichzeitig herumlagen. Vorher dachten wir eigentlich immer: mehr Auswahl bedeutet automatisch mehr Beschäftigungsmöglichkeiten. Im Alltag war aber oft eher das Gegenteil der Fall.

Nicht die Menge an Spielzeug war das Problem. Wir haben 2 Kinder (Mädchen und Junge) im Alter von 4 und 1,5 Jahren und mein Mann hat sehr viel Verwandtschaft, da kommt dann gerade zu Weihnachten und an Geburtstagen einiges an Spielzeug zusammen. Das eigentliche Problem war aber, dass ständig alles gleichzeitig sichtbar war.

Wenn zu viele Spielsachen sichtbar sind, springen Kinder häufig schneller von einer Sache zur nächsten. Kaum ist etwas angefangen, fällt der Blick schon auf das nächste Spielzeug. Dadurch entsteht oft dieses Gefühl von Unruhe, nicht nur im Raum, sondern auch beim Spielen selbst.

Besonders deutlich haben wir das im Wohnzimmer gemerkt. Wenn überall etwas offen herumlag, wurde vieles nur kurz benutzt. Sobald wir aber weniger Dinge sichtbar hatten, entstand plötzlich viel mehr Ruhe. Unsere Kinder blieben länger bei einzelnen Spielen, haben kreativer gespielt und manche Spielsachen sogar wieder ganz neu entdeckt.

Aber weniger sichtbare Reize scheinen vielen Kindern tatsächlich zu helfen, sich besser auf eine Sache einzulassen. Deshalb haben wir begonnen, nach und nach etwas zu verändern. Nicht radikal und auch nicht im Sinne von „weniger besitzen“. Sondern eher so, dass nicht mehr alles gleichzeitig verfügbar war.

Auch wir als Eltern haben dadurch das Gefühl bekommen, dass Zuhause wieder etwas entspannter wirkt. Nicht leer oder streng, sondern einfach weniger überladen.

 

Was wir zuhause verändert haben:

1. Weniger Spielsachen im Wohnzimmer

Eine der größten Veränderungen war bei uns, dass nicht mehr alle Spielsachen dauerhaft offen im Wohnzimmer herumstanden. Die Kinderzimmer in unserer Wohnung sind relativ klein, daher ist in den Zimmern grundsätzlich weniger Platz für Spielsachen und die Kinder spielen auch noch nicht alleine in ihren Zimmern. Daher wird im Wohnzimmer gespielt und die meisten Spielsachen befinden sich dann eben auch im Wohnzimmer. Wir haben daher einen großen Schrank im Flur aufgebaut und diesen mit Spielsachen gefüllt. Die Spielsachen sind nach Alter sortiert und kleinteilige Spielsachen haben wir in durchsichtige Plastikkisten gepackt.

Dadurch war nun viel weniger Spielzeug im Wohnzimmer. Wir tauschen die Spielsachen im Wohnzimmer regelmäßig mit den Spielsachen im Schrank aus und die Kinder können die Spielsachen aber auch eigenständig aus dem Schrank holen. Abends räumen wir dann gemeinsam so viele Spielsachen wie möglich wieder in den Schrank.

Das Wohnzimmer wirkt nun deutlich ruhiger und aufgeräumter. Natürlich liegen auch mal Sachen herum, aber wir müssen nicht mehr ständig an allen Ecken gleichzeitig aufräumen. Allein weniger sichtbare Spielsachen im Hauptwohnraum haben sooo viel verändert. Dadurch fühlte sich der Raum wieder mehr wie ein gemeinsamer Wohnbereich an und nicht nur wie ein dauerhaftes Spielzimmer.

So sieht zum Beispiel unser Spielschrank im Flur aus (wir überlegen noch die passenden Türen zum Schrank zu kaufen für noch mehr Ordnung):

2. Körbe statt kleine Einzelteile überall

Was uns im Alltag ebenfalls sehr geholfen hat, waren große Körbe und einfache Aufbewahrungsboxen. Gerade kleinere Spielsachen lagen vorher ständig verteilt im Wohnzimmer herum und wirkten sofort unruhig, selbst dann wenn eigentlich gar nicht so viel herumlag.

Außerdem haben wir versucht, offene Regale nicht mehr komplett zu füllen. Früher stand oft alles nebeneinander: Autos, Puzzle, Figuren, Kreativsachen und noch vieles mehr. Mittlerweile lassen wir bewusst etwas mehr freien Platz. Allein dadurch wirkt der Raum oft ruhiger.

Mit größeren Körben konnten wir viele Dinge schneller und unkomplizierter verstauen. Das Aufräumen fühlte sich dadurch weniger anstrengend an und gleichzeitig war das Wohnzimmer optisch nicht mehr so überladen. Besonders praktisch fanden wir dabei einfache offene Körbe, in die Kinder Spielsachen selbst schnell hineinräumen können, ohne alles perfekt sortieren zu müssen.

3. Spielsachen nach Bereichen sortieren

Was ebenfalls gut funktioniert hat, war eine etwas klarere Aufteilung der Spielsachen. Statt alles bunt zu mischen, haben wir ähnliche Dinge eher zusammengefasst.

Zum Beispiel:

  • Bausachen an einem Ort (in einer großen Box)
  • Bastelsachen gesammelt in Rollcontainern 
  • Bücher zusammen in einem Bücherregal
  • Rollenspiel-Sachen in einem eigenen Korb

Wir haben für unsere Tochter eine kleine Bastel- und Malecke im Wohnzimmer eingerichtet. Sie kann dort an einem kleinen Schreibtisch sitzen und hat ihre Bastelsachen im Rollcontainer direkt griffbereit. Ihr kleiner Bruder kommt noch nicht an den Schreibtisch heran, daher kann sie dort in Ruhe basteln. Sie malt und bastelt dort sehr gerne und auch täglich. Das ist für mich sehr erleichternd im Alltag, weil ihr kleiner Bruder gerade viel Aufmerksamkeit braucht und ich dann im Wohnzimmer für beide Kinder da sein kann.

Falls dein Kind auch gerne bastelt, habe ich dir hier unsere liebsten Bastelideen zusammengestellt:

Was sich dadurch bei uns verändert hat

Natürlich ist unser Zuhause seitdem nicht plötzlich immer ordentlich. Hier wird immer noch gespielt, gebaut, gebastelt und manchmal auch alles gleichzeitig ausgeräumt und abends liegt oft trotzdem überall etwas herum.. Und ehrlich gesagt gehört das mit Kindern einfach dazu.

Aber insgesamt fühlt sich der Alltag deutlich entspannter an als vorher. Besonders das Wohnzimmer wirkt für uns heute viel ruhiger. Nicht perfekt aufgeräumt sondern einfach weniger überladen. Dadurch haben wir selbst oft das Gefühl, zuhause besser abschalten zu können.

Auch das ständige Aufräumen hat sich verändert. Früher hatten wir oft das Gefühl, den ganzen Tag nur Sachen von einer Ecke in die andere zu räumen. Mittlerweile verteilt sich einfach weniger gleichzeitig im Raum und vieles lässt sich schneller wieder wegräumen, besonders in den großen Schrank.

Uns ist außerdem aufgefallen, dass unsere Kinder oft länger bei einzelnen Spielsachen bleiben. Es wird konzentrierter gespielt und dieses schnelle Wechseln zwischen zehn verschiedenen Dingen passiert deutlich seltener. Manche Spielsachen, die vorher wochenlang kaum beachtet wurden, standen plötzlich wieder hoch im Kurs. Wahrscheinlich einfach deshalb, weil nicht mehr hundert andere Dinge gleichzeitig sichtbar waren. Das hat uns gezeigt, dass Kinder oft gar nicht ständig Neues brauchen, sondern eher etwas mehr Ruhe und Übersicht beim Spielen.

Am Ende geht es dabei für uns aber gar nicht um Minimalismus oder perfekte Ordnung, sondern einfach darum, dass sich unser Zuhause mit Kindern etwas ruhiger, übersichtlicher und entspannter anfühlt. Am Ende soll sich ein Zuhause mit Kindern immer noch nach Leben anfühlen – nur vielleicht ein kleines bisschen entspannter.

 

Hilfreiche Dinge, die uns wirklich geholfen haben

Besonders praktisch fanden wir große Körbe bzw. Spielzeugkisten*. Darin verschwinden kleine Spielsachen oft viel schneller als in komplizierten Sortiersystemen und Kinder können meistens auch selbst leichter aufräumen.

Auch niedrige Regale haben bei uns gut funktioniert, weil Kinder ihre Spielsachen dadurch selbst sehen und erreichen können, ohne dass gleichzeitig alles chaotisch verteilt werden muss. 

Was ebenfalls überraschend viel verändert hat, war ein Bücherregal,*, bei dem die Bücher nach vorne sichtbar stehen. Unsere Kinder greifen dadurch deutlich häufiger selbst zu Büchern, weil die Cover direkt sichtbar sind und nicht nur schmale Buchrücken nebeneinander stehen. 

Auch Spielmatten oder feste Spielbereiche können helfen, den Raum etwas klarer zu strukturieren. Dadurch verteilt sich oft weniger gleichzeitig im ganzen Wohnzimmer und Kinder haben trotzdem genug Platz zum Spielen.

Ein Rollcontainer* für Bastelsachen oder kleinteilige Spielsachen hat bei uns zusätzlich sehr viel Ordnung gebracht.

 

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